← Alle Briefe Brief · 22. Januar 2024 · 19 Minuten Lesezeit

Von der Theorie zur Praxis

Wenn sich dein Leben nicht verbessert, du dich ständig gestresst, ausgelaugt oder überfordert fühlst, und zeitweise kurz vor einem Vulkanausbruch stehst, liegt es vermutlich an einer dieser drei Dinge:

Um dies gleich klarzustellen, damit meine ich nicht die Fürsorge um unsere Kinder. Oder dass wir nichts lernen und den ganzen Tag nur faul herumsitzen. Dieser Text ist keine Anklage, sondern eine Möglichkeit, um gewisse Dinge ins rechte Licht zu rücken.

Fakt ist: Ein gutes Leben erfordert mehr als Bücher und YouTube; Lernen und Neugierde sind wichtig, aber wer Ruhe & Gelassenheit möchte, muss aktiver werden (in den richtigen Dingen).

Das scheint ein Widerspruch zu sein, ist es aber nicht. Lese weiter und sehe, was ich meine.

Ich sage das übrigens nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch, weil viele meiner Mentoren das Gleiche sagen.

Aber Samuel, ein Tutorial zu einem neuen Hobby schauen ist doch gut. Außerdem lese ich dieses Buch über Gewohnheiten.

Ja, das ist super, aber es genügt nicht.

In seinem hervorragenden Buch "The Magic Of Thinking Big" sagt David Schwartz, dass es wichtiger ist, wie wir unsere Intelligenz nutzen, als unsere IQ selbst.

Er meint lakonisch, dass nicht einmal ein Doktor-Titel dieses fundamentale Prinzip umgehen kann.

Man höre auch oft, meint David Schwartz weiter, dass Wissen Macht sei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Wissen ist nur potenzielle Macht.

Wir müssen selbst probieren. AKTIV werden. Das ist Macht.

Meine Definition von Aktiv:

Aktivität = Produktion, Schaffung, Aufbau, Entwicklung, Konstruktion, Erschaffung, Gestaltung, Herstellung usw.

Meine Definition von Passiv:

Passivität = Konsum, Beobachtung, Empfang, Aufnahme usw.

Obwohl Bücher lesen ein aktiver Prozess ist, ist es, verglichen mit dem Schreiben eines eigenen Buches, dennoch passiv.

Um was es heute geht

  1. Stress und Überforderung trotz vielem Wissen
  2. Die Ursachen
  3. Der passive Ansatz: Nur lernen (Unruhe & Stress)
  4. Der aktive Ansatz: Lernen + anwenden (Ruhe & Gelassenheit)
  5. Erfolgreiche Gewohnheitsbildung: Tipps von Experten & Wissenschaftlern
  6. Ein Zustand innerer Ruhe und Befriedigung
  7. Zehn Autos in der Garage bringen nichts
  8. Hollywood: Du bist der Held deiner eigenen Geschichte

Wir wissen zu viel

Im vorletzten Newsletter habe ich Folgendes geschrieben:

Im 21. Jahrhundert haben so gut wie alle Menschen Zugang zu Wissen. Noch nie waren Informationen so gut zugänglich, noch dazu gratis; sei es YouTube, Google oder Wikipedia. Dies gilt für sämtliche Bereiche; Karriere, Liebesbeziehung, Psychologie, Kinder, Gesundheit usw.

Das sind positive Aussichten. Unbestritten.

Allerdings birgt dieses Potenzial auch Gefahren.

Was mir immer wieder passiert (vielleicht kennst du das auch): Ich entdecke etwas Neues, halte es für hochinteressant, lese etwas darüber, schaue Videos, und lasse meine Kreativität (im Kopf) von den Leinen; dies, das, jenes usw. Es fühlt sich an, als MÜSSE ich sofort tätig werden. Kaum auszuhalten, diese Ungeduld. Doch dann holt mich der Alltag ein.

Konkretes Beispiel: Wir sind in einer Buchhandlung, ich lese in einer inspirierenden Biografie, als plötzlich meine Frau auf meine Schultern tippt, und meint, wir müssen Windeln wechseln.

Kommt dir das bekannt vor? 😅

Eigentlich ist das ein schlechtes Beispiel, insofern als es impliziert, dass wir ständig mit Scheuklappen herumlaufen sollten. Das ist natürlich nicht meine Intention. Aber es zeigt eine echte, alltägliche Situation.

Die größte Gefahr von zu-viel-Wissen ist die Überreizung, was wiederum zu Aufschieberitis, Ungeduld und Impulsivität führen kann.

Ohne ins Detail zu gehen, möchte ich folgende Wahrheit festhalten: Je mehr Informationen wir aufnehmen, desto mehr müssen wir verarbeiten. Ab einem gewissen Punkt droht das Gehirn zu überlasten.

Einverstanden?

Und ja, unsere Gehirne sind verschieden. Aber wenn wir Babys, Kleinkinder oder ADHS haben, auch nicht. Unser Hirn dampft dann ohnehin 24/7.

Darum brauchen wir nicht so viele Informationen wie möglich, sondern so viele wie nötig.

Sonst macht es BUUM 🤯

Wir sind nicht mehr Anfang zwanzig und Single, ohne Verantwortung, können nicht tun und lassen, wie es uns gerade passt.

Eigentlich stimmt es nicht ganz: Wir wissen nicht wirklich zu viel. Wir wissen einfach zu viel vom Falschen.

Aber Samuel, was ist richtig, und was falsch?

Ein paar Ideen (richtige):

Mehr gutes Wissen. Praktisches. Brauchbares. Nützliches.

Das heißt nicht, dass du keine Bücher über Spiritualität, Philosophie oder Geschichte lesen sollst.

Im Eiskunstlauf wird zwischen „Pflicht“ und „Kür“ unterschieden. Die „Pflicht“ beinhaltet vorgegebene Bewegungen, die genau ausgeführt werden müssen, während die „Kür“ individuell gestaltet werden kann und oft spektakulärere Elemente enthält.

Sehe Notwendiges als „Pflicht“, alles andere als „Kür“.

Aber woran liegt es denn eigentlich, dass wir so viel „falsches“ lernen?

Oder anders gefragt, was sind die Gründe, dass wir oft überreizt, ungeduldig und impulsiv sind (U.U.I)?

U.U.I. = Überreizung. Ungeduld. Impulsivität. Denke einfach an “UUUUUUIII”, im Sinne von “oh nein, nicht gut”. Dann weißt du, es könnte Zeit für mehr „Pflicht“ sein.

Ursachen

Bevor wir über Dopamin sprechen (das biochemische „Problem/Übel“), lasst uns drei weitere Ursachen betrachten.

Angefangen bei der fehlenden Achtsamkeit. Merkst du, wenn du zu viel „falsche“ Informationen aufnimmst?

Achtsamkeit ist ein wertvolles Tool, um die Situation, so wie sie wirklich ist, zu betrachten.

Hier ein konkretes Beispiel:

Wenn wir in den vergangenen Wochen beispielsweise vier Bücher über Business & Marketing gelesen haben, jedoch untätig geblieben sind, sollten wir uns fragen, was unsere Absicht ist.

Was möchten wir mit dem, was wir gelesen haben, erreichen?

Es mag sein, dass wir uns nur informieren möchtest. Mal reinschnuppern in die Thematik. Daran ist nichts Falsches.

Die Sache ist aber, dass vier Bücher zu einem Thema nicht nur reinschnuppern ist. Reinschnuppern sind vielleicht zwei, drei YouTube-Videos, oder ein, zwei Newsletter.

Außer das ist so beabsichtigt, und du liest aus reinem Vergnügen Business & Marketing Bücher. Kann ja sein? Wenn das der Fall wäre, wäre es zumindest bewusst. Diese Klarheit ist es, was dich ruhig & gelassen macht.

Wenn du hingegen viel liest, aber nichts umsetzt und nicht einmal weißt, was du damit machen sollst, dann kann das zu Problemen führen.

Und wir alle haben nur 24 Stunden am Tag. Mit Kindern und ADHS gefühlt 2,4 Stunden.

Der Vulkanausbruch droht wegen deiner fehlenden Achtsamkeit.

Aber wer kennt das schon nicht. Ich jedenfalls bin alles andere als immun dagegen (meine Achtsamkeit wird allerdings immer besser, und meine Vulkanausbrüche weniger).

Achtsamkeit ist eine grundlegende Voraussetzung, um eine negative Situation oder Gefahr zu vermeiden.

Das gilt nicht nur, wenn wir merken, dass wir trotz viel Wissen nichts machen. Es gilt auch, wenn wir merken, dass wir zu viel Unnötiges lernen.

Oder wenn wir uns einem Thema gleichzeitig komplett zu- und abwenden; zB Karriere top, Liebesbeziehung flop; Finanzen top, Ernährung flop; usw.

Achtsamkeit ist fast alles.

Ich möchte nicht weiter auf dieses Thema eingehen, hier aber noch ein paar Punkte, wie du deine Achtsamkeit steigern kannst:

Ich mache alle oben genannten Aktivitäten, außer Yoga. Weshalb ich Yoga dennoch aufliste: Ich kenne Leute in meinem Umfeld, die Yoga machen, und was ich höre, scheint mir wertvoll in Bezug auf Achtsamkeit.

Zweiter Punkt: Perfekt informiert sein wollen.

Wir werden niemals alle Informationen haben, die wir zu benötigen glauben. Daher wird es nie die perfekte Lösung geben.

Aber das macht nichts. Das Wichtigste ist, und das wiederhole ich gerne noch tausendmal: Wir müssen beginnen.

Wann möchte ich meine Beziehung zu meiner Frau oder meinem Kind verbessern, nach einem Kapitel oder zehn Bücher?

Es wäre klug, den ersten Tipp, den wir in einem Buch lesen, anzuwenden. Die Autoren teilen ihr gesamtes Wissen zum Thema im Buch. Wir sollten darauf vertrauen, dass alle Tipps, die wir dort finden, umsetzbar und nützlich sind.

Aber. Aber. Aber.

Aber hier droht wieder eine Überreizung.

Gleich den ersten Tipp. Und dann auch noch den Zweiten?

Ja, genau. Ansonsten sollten wir es zur Seite legen. Und stattdessen nach draussen gehen, mit den Kindern spielen, oder beides. Oder etwas Feines zum Essen zubereiten. Oder einen guten Roman lesen. Aber nicht, um weiter Dinge zu lernen, die wir dann doch nicht anwenden.

Oder schaue dir drei Tipps an, und entscheide dich für einen. Und wer es ganz ausreizen möchte, liest ein ganzes Buch, und arbeitet es im Anschluss durch.

Dann gibt es noch das Pareto-Prinzip. Also die 80:20 Regel, die besagt, dass 20 % deines Aufwandes zu 80 % Erfolg führt. Und die restlichen 20 % Erfolg einen Aufwand von 80 % bedeutet.

Ich weiß, dieses Thema Lernen & Anwenden kann schwierig und kompliziert sein.

Und mir ist auch bewusst, dass es hier kein schwarz weiß gibt. Aber ich versuche, eine essenzielle Sache auf einfache Weise zu erklären.

Übrigens bin ich, wie immer, der Erste, der von meinen Texten profitiert. Es ist eine Art Tagebuchschreiben+ 😅 So viel zur Wirkung des Schreibens. Es ist wie Magie. Mehr dazu in den vergangenen zwei Newslettern.

Dritter Punkt: Zu große Schritte machen wollen.

Es ist gut, große Pläne zu haben. Ehrgeiz ist auch wichtig. Niemand erreicht etwas, ohne vorher davon geträumt zu haben.

Doch das Ausmaß unserer Pläne schüchtert uns ein. Besser wäre der Ansatz: Große Ziele setzen, und klein beginnen.

Wenn ich etwa ein seriöses Sachbuch schreiben möchte, setze ich mir nicht zum Ziel, es in einem Monat geschrieben zu haben. Recherche, Gliederung, Rohfassung, Überarbeitung usw. dauert nicht nur eine Weile, sondern ist auch eine Menge Arbeit.

Oder nehmen wir ein kleineres Beispiel: Neu bezogene Wohnung einrichten. Wenn wir davon ausgehen, eine leere Wohnung innerhalb eines Wochenendes perfekt eingerichtet zu haben, das heißt nach unseren Traumvorstellungen, dann werden wir enttäuscht sein. Es wird nicht passieren.

Auch wenn uns dies manchmal gelingt, die Regel ist es nicht. Im Gegenteil, wenn wir sehen, dass wir unserem Zeitplan hinterherhinken, frustriert uns das.

Druck ist gut. Aber wir möchten uns nicht erdrücken.

Alle drei Ursachen (1. fehlende Achtsamkeit, 2. perfekt informiert sein wollen, 3. Zu große Schritte machen wollen) führen dazu, dass wir in der Theorie stecken bleiben. Und das hat zwangsläufig Konsequenzen.

Erst sind wir leicht frustriert, dann werden wir immer ungeduldiger, bis wir unsere Impulsivität schließlich nicht mehr zurückhalten können.

Es ist nicht nur das Eine oder das Andere. Diese drei Gründe ergänzen sich. Dabei ist Achtsamkeit eine Art übergeordnete Ebene.

Und dann gibt es aber noch eine Ebene über der Achtsamkeit, wenn man so sagen kann.

Dopamin

Ich habe nicht vor, tief in die Neurobiologie einzutauchen. Sondern möchte nur kurz die alltäglichen Auswirkungen beleuchten.

Zuerst aber eine Klarstellung: Dopamin, ein „Trend“-Hormon, das in den vergangenen Jahren immer häufiger erwähnt wird, ist nicht per se schlecht.

Ein Hormon ist, was es ist: ein Hormon.

Ich vermute, dass Dopamin in den vergangenen Jahren aufgrund der digitalen Renaissance an Aufmerksamkeit gewonnen hat.

Klicks, Likes, Kommentare, Teilen usw. Heute ist alles schnell. Und leicht abzurufen. Das Handy klebt an uns, als befände sich Klebstoff an unseren Händen.

Und hier hat Dopamin ihre „Stärke“.

Ein theoretisches Beispiel: Wir könnten innerhalb von fünf Minuten ein neues Thema entdecken (zB in einer Facebook-Gruppe), uns kurz darüber informieren (Google), ein paar Bücher dazu bestellen (Amazon), und schließlich darüber berichten (Instagram).

Das ist logischerweise keine wissenschaftliche Arbeit, aber ich denke, dieses Beispiel beschreibt, hoffentlich, kurz und knapp, wie Dopamin im Alltag funktioniert. Und weshalb Achtsamkeit so wichtig ist.

Wenn wir nicht achtsam sind, besiegt uns das Dopamin. Das Dopamin ist aber nicht schuld, wir sind schuld.

Und was ist die Konsequenz von all dem?

Reich an Theorien und Konzepten, dennoch festgefahren und unsicher

Was haben wir bis jetzt festgestellt? Wir sind offen und neugierig, was gut ist. Aber wir fühlen uns auch schnell überfordert, werden ungeduldig und impulsiv.

Der Grund: Wir wissen viel, aber wir haben noch nichts umgesetzt.

Neues Wissen bringt uns also nicht weiter.

Aber es gibt noch weitere Probleme. Wie ich kürzlich geschrieben habe: Das größte Problem ist, dass es unendlich viele Probleme gibt, wir aber nicht beginnen 😅

Statt anzufangen, überreizen wir unser Gehirn im Minutentakt. Wundert es noch jemanden, dass wir explodieren, wenn wir uns ständig mit Möglichkeiten, Ideen und Wünschen nachdenken, aber nie handeln?

Der Planer ist ein Klassiker. Er ist sehr wertvoll, wenn man ihn benutzt, aber unnötig, wenn man ihn nicht benutzt. Logisch, oder?

Oder die Neujahrsvorsätze; gut gemeint, aber verblasst nach ein paar Wochen.

Wissen allein ist nicht genug (zB Bücher). Besitzen auch nicht (zB Planer). Ebenso reicht nur Wünschen nicht aus (zB Neujahrsvorsätze).

Ein gutes Leben kommt von Wissen UND Handeln. Von Besitzen UND Handeln. Von Wünschen UND Handeln.

So ist es auch beim Lernen. Lernen allein ist passiv. Ruhe & Gelassenheit erfordern jedoch Aktivität. Es scheint ein Widerspruch zu sein, aber das ist es nicht.

Aber es gibt eine Lösung.

Einstellung und Gewohnheitsbildung

Es ist an der Zeit, das Gelernte in die Tat umzusetzen.

Und wenn du jetzt erwartest, dass der große Knaller kommt, dann muss ich dich leider enttäuschen. Wenn du es bis hier geschafft hast, dann kennst du die Antwort vermutlich bereits.

Wenn du lernst, dass Meditation ruhiger macht, dann meditiere. Wenn du lernst, dass Sport ruhiger macht, dann mache Sport. Usw.

David Goggins würde sagen, es gibt keine Motivation, keine Abkürzung, oder sonstige Hacks.

Tu es einfach.

Das stimmt selbstverständlich.

Und auch nicht. Natürlich gibt es Tools usw.

Die Lösung hat zwei Teile:

  1. Einstellung
  2. Gewohnheitsbildung

Zuerst unsere Einstellung.

Wenn wir sagen, wir haben keine Zeit, kaum Energie, und auch die Nerven nicht, dann müssen wir aufhören damit, uns schlecht zuzureden.

Wir müssen mit den Ausreden aufhören.

Der einfache Grund: Wenn Ausreden uns bis hierhin nichts gebracht haben, dann wird es uns auch weiterhin nichts bringen. Stattdessen müssen wir Verantwortung übernehmen und nach Lösungen suchen. Genau darum geht es im nächsten Newsletter: Wie man lernt, Verantwortung zu übernehmen.

Das gilt auch für viel beschäftigte Eltern mit ADHS!

Und wenn du dir einredest, dass du wenig bis keine Zeit hast, dann gibt es gute Nachrichten: Bereits 30 Minuten am Tag können einen großen Unterschied machen.

Aber das scheint so trivial, nur 30 Minuten, wirklich? Ja.

Weißt du, warum? Damit du dir beweisen kannst, dass Selbstfürsorge möglich ist. Auch wenn Chaos in deinem Kopf herrscht, und deine Kinder ständig etwas von dir fordern.

Das könnte deine Stunde null sein, wo sich die Dinge zum Guten wenden. In diesen 30 Minuten könntest du etwa ein Tagebuch schreiben und über dein Leben nachdenken. Dir überlegen, wie du das Gelernte anwenden könntest, was du über dich selbst denkst und was du im Leben möchtest.

In meinem letzten Newsletter kannst du mehr darüber lesen, dort beschreibe ich detailliert, wie wir täglich 30 Minuten Zeit freischaufeln können.

Zeit und Kontinuität ist alles. Oder anders gesagt: Geduld und Taten sind alles.

Ein kleines persönliches Beispiel:

Ein paar Monate lang habe ich jeden Morgen zuerst zwanzig bis dreißig Minuten an meinen Kurzgeschichten gearbeitet. Daraus entstanden sind vier fertige Kurzgeschichten.

Na ja, ich bin weder Stephen King noch Tolstoi, dafür stolz darauf, dass ich es getan habe.

Nicht nur geträumt, sondern getan.

Du kannst es auch.

Zweitens: Gewohnheiten.

Vorneweg: Wenn du bisher wenig über Gewohnheiten nachgedacht hast, rate ich dir, es zu tun.

Gewohnheiten gehören zur Persönlichkeitsentwicklung dazu wie die Küche zu einer Wohnung oder Räder zu einem Fahrzeug.

Wenn wir über Gewohnheiten sprechen, kommen wir praktisch nicht um James Clear herum. Sein Weltbestseller Atomic Habits verdient diesen Erfolg auch, dieses Buch ist wirklich gut. Wenn du bisher nicht viel über die Bildung von Gewohnheiten weißt, dann kann ich dieses Buch also nur empfehlen; leicht verständlich und gespickt mit vielen nützlichen Tools.

Aber er ist nicht der Einzige, von dem wir lernen können, wenn es darum geht, gute Gewohnheiten zu verankern (oder schlechte abzugewöhnen).

B.J. Fogg ist ein Wissenschaftler an der Stanford University, hat dort sein eigenes Labor, und untersucht das menschliche Verhalten (Behaviour Science). Seine Ausführungen im Buch Tiny Habits zum Thema sind meiner Meinung nach mindestens so gut, wie jene von James Clear. Auch wenn B.J. Fogg im Mainstream etwas weniger bekannt ist.

Ein weiterer Gewohnheitsexperte ist Charles Duhhig. Ein preisgekrönter Wirtschaftsjournalist und Bestsellerautor, bekannt für sein Buch Die Macht der Gewohnheit. Er erklärt, wie Gewohnheiten unser Leben bestimmen und nutzbar gemacht werden können, basierend auf neuesten Erkenntnissen aus Neurowissenschaften, Psychologie und Wirtschaft, veranschaulicht mit praktischen Fallbeispielen.

Schauen wir uns die Hauptpunkte dieser drei Experten an.

James Clear's „Atomic Habits“. Schlüssel zur erfolgreichen Gewohnheitsbildung:

B.J. Fogg's „Tiny Habits“. Schlüssel zur erfolgreichen Gewohnheitsbildung:

Charles Duhhig's „Die Macht der Gewohnheit“. Schlüssel zur erfolgreichen Gewohnheitsbildung:

Und das ist so ziemlich alles, was du über Gewohnheiten wissen musst. Es ist nicht kompliziert. Und obwohl ich in diesem Newsletter das Aktive betone, heißt das nicht, dass Theorie unwichtig ist.

Und hier noch zwei konkrete Gewohnheits-Beispiele:

Meditation:

  1. Mach es offensichtlich: Smartphone-Erinnerung.
  2. Mach es attraktiv: entspannende Umgebung mit Kerzen oder Musik.
  3. Mach es einfach: Beginne mit zwei Minuten täglich.
  4. Mach es befriedigend: Belohne dich mit einer Tasse Tee.

Sport:

  1. Mach es offensichtlich: Lege Sportausrüstung bereit oder gehe direkt nach der Arbeit trainieren.
  2. Mach es attraktiv: Wähle Übungen, die Spass machen oder mache es mit Freunden.
  3. Mach es einfach: Starte mit kurzen Spaziergängen oder Übungen zu Hause.
  4. Mach es befriedigend: Belohne dich mit einem gesunden Smoothie.

Und ehe du dich versiehst, änderst du Dutzende Gewohnheiten und wirst zu einem anderen Menschen. Wie ein Schmetterling, der aus dem Kokon schlüpft.

Ein Zustand innerer Ruhe und Befriedigung

Das alles hat natürlich einen Preis: Arbeit. Gewohnheiten zu ändern, oder sogar das gesamte Leben umzukrempeln, ist kein Zuckerschlecken.

Aber wenn du anfängst, dein Wissen aktiv anzuwenden, wirst du eine echte Veränderung in deinem Leben bemerken und schon bald einen Zustand innerer Ruhe erreichen.

Nicht von heute auf morgen. Aber von Woche zu Woche, Monat zu Monat.

Und auch wenn du bisher nicht viel verändert hast, es genügt, damit zu beginnen, um dich bereits besser zu fühlen.

Die Forschung zeigt, dass persönlich gemessener Fortschritt wie Treibstoff für unsere Motivation ist.

Und das beste: Fortschritt ist relativ.

Ob du also zunächst nur fünf Minuten am Tag meditierst, 2h in der Woche an einem Projekt / Hobby arbeitest, oder 8h täglich an einem Projekt / Hobby, es spielt in Grunde keine Rolle, solange du Fortschritte erzielst.

Halte mal einen Moment inne, und überlege, was du gerade gelesen hast.

Ist dir die Tragweite davon bewusst?

Motivation ist das, was wir als Antrieb bezeichnen, um bestimmte Dinge zu tun. Je mehr Motivation, desto mehr Fortschritte. Je mehr Fortschritte, desto mehr Motivation.

Siehst du auch, wohin das führt?

Deswegen sage ich immer wieder, fange an, egal womit; biete deiner Familie oder Nachbarschaft einen Kurs über Yoga an; gehe mit deinen Kindern Schneeschuh-wandern.

Sei aktiv, und mache Fortschritte.

Es ist wie beim Schreiben eines Buches; mit jedem geschriebenen Wort entwickelt sich die Geschichte.

Wie beim Bauen eines Hauses; mit jedem gesetzten Stein wächst das Gebäude.

Oder wie beim Malen eines Bildes; mit jedem Pinselstrich entsteht ein Kunstwerk.

Mit jedem Wort, Stein oder Pinselstrich entsteht etwas, das Freude und Gewissheit bringt.

Also, womit auch immer du Fortschritte erzielen möchtest, mache dir bewusst, dass mehr Ruhe und Befriedigung eintreten, sobald du aktiv wirst.

Vielleicht bringt dir deine Meditation mehr Ruhe, oder dein neues Projekt, oder dein tägliches Tagebuchschreiben.

Jedenfalls wirst du einen Zustand innerer Ruhe erreichen, der aus dem Handeln und nicht nur aus dem Wissen entsteht.

Das ist für mich echte Selbstpflege.

Unser Umfeld sieht das. Unsere Ruhe & Gelassenheit inspiriert.

Und das macht uns stolz.

Außerdem werden wir mehr Selbstvertrauen und Selbstachtung entwickeln, wenn wir sehen, wie wir das Gelernte in die Praxis umsetzen.

Schließlich realisieren wir, dass wir tatsächlich das Potenzial haben, unsere Ziele und Träume zu verwirklichen.

Je mehr wir handeln, desto mehr Kontrolle haben wir.

Zehn Autos in der Garage bringen nichts

Erinnerst du dich noch an die Achtsamkeit? Hier ein paar Punkte:

Falls du dich jetzt deswegen schlecht fühlst, das musst du nicht. Sehe es als Aufwachprozess. Als Achtsamkeitsübung.

Wenn du bis hierher gelesen hast, gehörst du wahrscheinlich zu den wenigen, die WIRKLICH eine Veränderung möchten.

Hollywood: Du bist der Held deiner eigenen Geschichte

Stell dir vor, du bist der Held in deiner eigenen Geschichte, wie in deinem Lieblingsbuch oder Film. Du kannst entscheiden, was passiert und welche Abenteuer du hast. Du bist nicht nur ein Zuschauer, sondern jemand, der etwas tut und Entscheidungen trifft.

Also, was tust du nun? Wenn du keine dreißig Minuten Zeit hast am Tag, vielleicht weil du alleinerziehend bist, mit vier Kindern, oder aus sonstigen Gründen, dann lese den letzten Newsletter, und setze das um, was darin geschrieben steht.

Ähnlich wie bei der Achtsamkeit. Du kommst nicht darum herum, dir Zeit freizuschaufeln.

Und wenn du täglich ein wenig Zeit freigemacht hast, dann schreibe Tagebuch, gehe spazieren oder spreche mit einer vertrauten Person über die hier geschilderten Gewohnheitstipps, und überlege, wie du diese in deinem Leben umsetzen kannst.

Vielleicht wolltest du schon immer mehr Sport machen, einen Roman schreiben, oder ein Modellflugzeug basteln.

Ein letzter, abschließender Gedanke:

Wenn das nur gelegentlich passieren würde (lernen und nichts damit anstellen), könnten wir uns das noch verzeihen. Es würde uns nicht sofort verrückt machen. Aber wenn es ständig, noch dazu in verschiedenen Bereichen vorkommt (Karriere, Beziehung, Kinder, Finanzen etc.), dann riskieren wir nicht nur unser Leben zu verschwenden, sondern schlimmer noch, unsere Familie zu verlieren.

Und das wollen wir nicht.

Ich jedenfalls nicht.

Kennst du solche Wochen auch?

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