Visionen oder Ziele: Warum wir beides brauchen
Worin unterscheiden sich Ziele von Visionen? Ist das nicht dasselbe? Nun, irgendwie schon. Aber irgendwie auch nicht.
Der Hauptunterschied liegt darin, dass Ziele konkret sind. Lebensvisionen jedoch zunächst “nur” zur Orientierung dienen.
Vorweg schon mal: Ich bin sowohl auf Visionen als auch auf Ziele angewiesen. Ohne wäre ich ziemlich orientierungslos. Ich wäre gereizter und würde schlechter schlafen. Ich kann es zwar nicht beweisen, doch ich bin mir ganz sicher, dass es so wäre.
Eine Vision ist in etwa wie der Polarstern, an dem sich die Seefahrer orientieren. Sie werden den Polarstern zwar niemals erreichen, sich aber sehr wohl in dessen Richtung bewegen. Es ist eine Annäherung. Es hat mit groben Wünschen zu tun. Mit Werten. Usw.
Ein Ziel ist in etwa wie die Strecke, an dem sich die Marathon-Läufer orientieren. Hier bin ich (Start), dort muss ich hin (Ziel). Es gibt klare Vorgaben, die kaum Zweifel aufkommen lassen. Was nicht bedeutet, dass alles isi-pisi ist. Das ist es nie, oder sagen wir, selten.
Vision-Beispiele:
- In einem warmen, sonnigen Land arbeiten
- Meinen Traumpartner mit gleichen/ähnlichen Werten finden
- Körperlich absolut topfit sein
- Täglich Quality Time mit meinen Kindern verbringen
- Drehbuchautor sein
Visionen können sich bisweilen ändern. Wie zuvor erwähnt, Visionen sind als groben Fixpunkt, als Nordstern gedacht. Nicht als ein in Stein-gemeißeltes-Ziel, das auf Lebensdauer gilt.
Ziel-Beispiele:
- Die Meisterschule für Gärtnerei absolvieren
- Nächsten Jahr Urlaub auf Bali machen
- Den Film ‘Dune 2’ im Kino anschauen
- Fünf Berg-Hochzeiten fotografieren
- Nächstes Jahr ein Drehbuch schreiben
Ziele können selbstverständlich in die kleinsten Teile zerlegt werden. Etwa in Quartals- oder Wochenziele. Mehr dazu ein andermal.
Zur Veranschaulichung zwei Beispiele, die den Zusammenhang von Vision und Ziel aufzeigen.
- Quality Time Kinder. Während unsere Vision darin bestehen könnte, täglich Quality Time mit unseren Kindern zu verbringen, könnte ein konkretes Ziel sein, täglich eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen.
- Traumpartner. Vision = Meinen Traumpartner mit gleichen/ähnlichen Werten finden. Ziel = In den nächsten dreißig Tagen auf fünf Dates gehen.
Das gleiche, jedoch nicht dasselbe.
Ziele sind die Mittel, durch die wir unsere Werte und Träume in Wirklichkeit verwandeln. Glück passiert nicht einfach so. Es muss verdient werden durch Nachdenken, Planen und anhaltenden Streben nach Werten.
Edwin Locke
Nochmals: Ohne Visionen sind wir orientierungslos. Ohne Ziele bleiben wir stehen. Es braucht also beides.
Haben wir nur Visionen, treten wir an Ort und Stelle. Wenn wir nur Ziele haben, drehen wir uns womöglich im Kreis. Wir benötigen wirklich beides. Sonst fehlt uns der Lebenssinn sowie die Motivation. Schlimmstenfalls gehen wir gleichgültig, gelangweilt und energielos durchs Leben.
Also, was hilft es uns konkret, wenn wir unsere Visionen und Ziele kennen?
- Klarheit und Struktur: Wo das Glas beschlagen ist, sieht man nicht hindurch. Wenn wir Luft ins Badezimmer lassen, wird das Glas klar. Visionen und Ziele sind wie Luft. Ich kenne Menschen, die haben Visionen, ohne diese jemals aufgeschrieben oder laut ausgesprochen zu haben. Sie sprechen zwar davon, wissen es im Grunde aber selbst nur halb. Ich erfinde mal eine Zahl und behaupte, das gibt es in 1/10 Fällen. Vielen Menschen jedoch fehlt ein Ankerpunkt. Etwas, das sie morgens aus dem Bett zerrt, selbst wenn sie noch müde sind und es unter der Decke warm und kuschelig ist. Übrigens: Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir unsere inneren Wünsche und Ziele entdecken können. Wobei entdecken eigentlich das falsche Wort ist. Ich behaupte, dass uns eine leise Stimme diese seit jeher zuflüstert 😉 Wir müssen sie eher an den Hörnern packen!
- Entscheidung: Wir können nicht nach Indien und gleichzeitig nach Brasilien segeln. Vielleicht nacheinander, aber nicht gleichzeitig. Wir müssen uns entscheiden. In der Entscheidung liegt Freiheit. Wenn wir wissen, wie unsere Visionen und Ziele ausschauen, bewegen wir uns. Wir können besser Nein zu Dingen sagen, die wir nicht wollen, oder sagen nein, weil es nicht in die Zeit passt. Wenn wir hingegen alles wollen, bestenfalls sofort, jedoch nichts tun (weil es überfordert), dann bleiben wir stehen, und das, so sagt man, ist der Tod. Mache dir aber bewusst: Du hast die Kontrolle, d. h. jederzeit die Möglichkeit, den Kurs zu ändern. Aber zum Teufel, entscheide dich!
- Zufriedenheit / Ruhe: Nachts, wenn es dunkel und feucht ist, und wir mitten im Wald stehen, und uns alles über den Kopf wächst, dann sind wir vielleicht nicht glücklich, aber dennoch zufrieden. Und wir bleiben ruhig, weil wir nämlich wissen, dass wir in die richtige Richtung unterwegs sind. Wir können nachts ruhig schlafen, weil wir wissen, wohin unser Schiff steuert (dessen Kapitän wir beauftragt haben).
Es gibt etwas, das allem einen Glanz verleiht. Und das ist die Vorstellung, dass hinter der nächsten Ecke etwas auf uns wartet.
G. K. Chesterton
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