← Alle Briefe Brief · 16. Oktober 2023 · 6 Minuten Lesezeit

Vielleicht ein wenig kontrovers

Hast du auch schon ein Buch gelesen oder eine Doku geschaut, und währenddessen gedacht “Wow, das muss die ganze Welt wissen!”?

Das ist mir am vergangenen Wochenende passiert, als ich die Doku Phil Stutz geschaut habe (Netflix). Eigentlich wollte ich mir mal wieder einen Spielfilm anschauen, blieb dann aber bei Psychologie und Philosophie hängen 😅

Die Produktion war nichts Besonderes. Meistens liefen schwarz-weiß Bilder, und die zwei Hauptakteure machten bestimmt 90 % des Films aus (Ein an Parkinson leidender Psychiater und einer seiner depressiven Patienten).

Doch wie zuvor erwähnt, das ist die Art Film (Botschaft), die eigentlich Pflichtprogramm in der Oberstufe sein müsste!

Am meisten imponiert hat mich die Tragik-Komik, sowohl jene des Psychiaters als auch jene des Patienten, obwohl das Thema bedrückend ist, wird ein großartiger Humor vermittelt.

Das liebe ich an diesem Film. Wirklich gut gelungen.

Aber das ist mehr die Meta-Ebene. Worum es wirklich geht, sind die Tools & Methoden, über die sie sprechen.

Tools & Methoden sind Möglichkeiten, unser Leben besser zu meistern.

Stellt euch eine Therapie-Sitzung vor, in der eine Person über die Herausforderungen ihres Lebens spricht, während der Psychiater aufmerksam zuhört, ohne Unterbrechungen. Woche für Woche kehrt der Patient zurück, und der Psychiater bleibt ein einfühlsamer Zuhörer, ohne Ratschläge zu geben. Dieser Prozess erstreckt sich über mehrere Jahre.

Und nun stellt euch eine Therapie-Sitzung vor, in der der Psychiater unterstützende Ratschläge gibt. In diesem Kontext ist Phil Stutz, der Psychiater in diesem Film, ein wahrer Meister seines Fachs. Tatsächlich betont er im Film selbst, dass die Aufgabe eines Psychiaters im Wesentlichen darin besteht, klare Anweisungen zu geben, um den Klienten den Weg vorzugeben. Egal, wie düster das Leben zurzeit ist, oder gerade dann.

BÄM! 💥

Das war der Moment, in dem ich wusste, dieser Film muss jeder gesehen haben.

Und jetzt der vielleicht kontroverse Teil dieses Newsletters.

Ich habe in den vergangenen Monaten oft darüber nachgedacht, worin eigentlich der Unterschied zwischen, sagen wir mal, einer Psychologin und einem Coach liegt.

Und obwohl ich versucht habe, die Essenz davon zu fassen, ist es mir nie gelungen.

Bis ich den Film Phil Stutz gesehen habe.

Menschen sollen anderen Menschen helfen, wenn sie dafür bezahlt werden. Und bezahlt wird man nicht nur fürs Zuhören.

Natürlich sind die Umstände, Bedürfnisse und Therapieansätze vielfältig und individuell unterschiedlich, das ist offensichtlich. Aber es scheint mir nun, dass die Quintessenz klar ist.

Ganz gleich, ob du Psychologe oder Coach bist, dein Ziel sollte darin bestehen, anderen Menschen mithilfe von bewährten Werkzeugen, Methoden und Techniken zu helfen.

Was zählt, ist, dass die leidende Person Fortschritte im alltäglichen Leben macht.

In erster Linie beziehe ich mich hier auf das persönliche 1:1 Setting. Ich schließe zB Lehrkräfte ausdrücklich aus.

Wenn eine Person eine andere Person dafür entlohnt, um Unterstützung zu erhalten, weil sie leidet, dann bin ich der Meinung, dass alleiniges Zuhören nicht ausreicht.

Logisch: Das Zuhören ist von entscheidender Bedeutung.

Doch sollte es nicht so sein, dass Freunde und Familie eher zuhören, während diejenigen, die für ihre Dienste bezahlt werden, eine umfassendere und konkrete Unterstützung bieten sollten? Jedenfalls wurde das vom Patienten im Film aufgegriffen, und ich schließe mich seiner Einschätzung an.

In Bezug auf meine eigene Geschichte muss ich wohl an einem bestimmten Punkt bemerkt haben, dass meine Therapie nicht mehr den gewünschten Nutzen brachte. Ich hatte genug von der intensiven Beschäftigung mit der Vergangenheit und wollte stattdessen vorankommen.

Ich bin deiner Meinung, dass die Vergangenheit zwar wichtig ist, aber der Schwerpunkt dennoch in der Zukunft liegen sollte.

Handeln, anstatt sich größtenteils in intellektuellen Überlegungen zur Vergangenheit zu verlieren.

Es ist auch möglich, dass die Therapie einfach an ihr natürliches Ende gekommen war (manchmal muss man jedenfalls Pause machen und die Dinge setzen lassen).

Der Hauptaspekt, den ich betonen möchte, ist, dass ich in der Therapie à la Phil Stutz und im Coaching ein enormes Potenzial sehe, und zwar nicht nur für mich, sondern auch für jeden Einzelnen.

Ob sich nun jemand Coach oder Therapeut nennt, ist im Grunde einerlei. Wichtig ist, dass die Person versteht, wovon sie spricht. Und Unterstützung bietet, die ein wirkliches Vorankommen ermöglicht.

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass ein Coach einen Therapeuten nicht ersetzen kann, der Therapeut den Coach jedoch potenziell schon 😉.

Hier ein paar Tools & Methoden, die ich mir des Films notiert habe.

Lebenskraft

Das ist die Idee der drei Bereiche. 1) Körper, 2) Menschen, 3) Du.

Wenn zB schwer depressiv bist, dann investiere erst mal in diese drei Bereiche. Sie werden deine Probleme nicht lösen, aber sie werden dafür sorgen, dass du dich lebendiger und weniger traurig fühlst.

Dazu gehören 1) Schlaf, Sport, Ernährung, 2) Freunde & Familie treffen, 3) reflektieren, zB indem man Tagebuch schreibt.

X

Das ist die Idee der großen dunklen Konstante in unserem Leben. 1) Schmerz, 2) Widrigkeiten, 3) Arbeit.

Egal, in welcher Phase unseres Lebens wir uns befinden, es gibt immer etwas, was uns vor Herausforderungen stellt. Damit verbunden sind immer Schmerzen, Widrigkeiten und harte Arbeite.

Wenn wir das akzeptieren, fällt es uns womöglich leichter, durchs Leben zu gehen.

Perlenkette

Das ist die Idee der täglich kleinen Gewohnheiten.

Ein Schritt nach dem Anderen.

Eine Perle nach der Anderen.

Nicht die Kette vollenden wollen am Tag 1, sondern jede Perle als wertvoll für sich betrachten.

Morgens nicht schon an das ganze Tagesprogramm denken, sondern erst mal Zähne putze, danach Meditieren, dann Frühstück für Kinder zubereiten usw.

Jede Tätigkeit ist wichtig. Jede Tätigkeit soll geschätzt werden.

Der Schatten

Alle tragen einen Schatten in sich (im Grunde das innere Kind).

Der Schatten wurde wenig bis nie beachtet. Daher sollten wir Sorgen zum Schatten tragen; zB indem wir die Augen schließen und den Schatten fragen, wie es sich fühlt. Dieser Prozess sollte helfen, den Schatten zu integrieren, statt zu versuchen, es abzukapseln.

Die Suche nach dem Perfekten

Wir alle versuchen den perfekten Snapshot zu erzielen. Das kann Geld sein, ein Hobby, Kinder, Business usw.

Perfekt gibt es aber nicht. Egal, wie perfekt wir etwas machen, am Ende werden wir uns nicht besser fühlen, nur weil wir das Perfekte geschaffen haben. Nutze es als Motivation, nicht aber um deine innere Leere zu füllen.

Das Labyrinth

Wir sollten nicht ein Leben lang den gleichen Gedankenmustern nachhängen. Das wäre schade für unser Leben.

Vorwärts gehen, sich bewegen, aus dem Labyrinth ausbrechen.

Radikale Akzeptanz & Dankbarkeit-Flow

Über den dunklen Wolken gibt es immer eine Sonne, egal, wie dunkel die Wolken sind.

Für drei bis vier Dinge dankbar sein. Augen schließen und es richtig fühlen, nicht nur intellektuell sagen.

Diese Übung bringt die Wolken zum Verschwinden.

Prozess des Loslassens

Die Idee, dass wir bereit dazu sind, alles uns Wichtige loszulassen. Weil wir lernen sollten, unabhängig von jemand oder etwas zu leben.

Gerade wenn es uns schwerfällt, zB unsere Beziehung loszulassen (weil wir glauben, ohne diese nicht leben zu können).

Dies ist lediglich eine Zusammenfassung der von Phil Stutz präsentierten Konzepte und Methoden. Im Film werden diese Aspekte detaillierter behandelt. Die vorgestellten Ideen und Werkzeuge zielen auf die Förderung der persönlichen Entwicklung und psychischen Gesundheit ab.

Ich empfehle dringend, diesen Film anzusehen 🤯

Der Film hat eine Laufzeit von etwa 90 Minuten, ist jedoch unterhaltsam und humorvoll. Mein Wunsch ist es, dass 1:1 Therapien und Coachings für alle Menschen zugänglich und nützlich sein sollten.

"Phil Stutz" bietet Inspiration für all diejenigen, die ihre persönliche Entwicklung aktiv vorantreiben und ihr Leben selbst in die Hand nehmen möchten. Ich hoffe, dieser Newsletter hat eure Neugier geweckt.

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