← Alle Briefe Brief · 11. Dezember 2023 · 18 Minuten Lesezeit

Ideen für mehr Ruhe im Leben

Wir brauchen uns nichts vorzumachen: Zeit ist nicht das Problem, wir sind das Problem. Wenn wir das erkannt haben, können wir das Band zur Hölle mit unseren eigenen Händen zerreißen, und aus dem Flammenmeer emporsteigen, wo wir durch dichten Nebel navigieren, um schließlich unseren Platz an der Sonne wiederzufinden.

Die gute Nachricht lautet, dass wir keine acht Stunden täglich benötigen, um unseren Platz an der Sonne wiederzufinden.

Im letzten Newsletter habe ich folgenden Satz geschrieben:

Zwei Wochen lang täglich 30 Minuten Tagebuchschreiben kann dein Leben verändern.

Dreißig Minuten sind realistisch, für alle. Wenn du etwas anderes behauptest, machst du dir etwas vor.

Und das bringt mich zu einem anderen Punkt aus dem letzten Newsletter.

Im 21. Jahrhundert haben wir Zeit ohne Ende (das gilt auch für Eltern mit Kleinkindern). Höchstens müssen wir Arbeiten, um Geld zu verdienen, und dafür sorgen, dass wir sowie unsere Kinder nicht verhungern. Ansonsten müssen wir erstmals überhaupt nichts. Alles andere ist selbstauferlegte ‘Pflicht’.

Doch das ist leichter gesagt als getan.

Denn das Leben ist hektisch, überall Sorgen und Verpflichtungen. Stress, wohin wir blicken; endlose To Do Listen; null Produktivität; totales Chaos; Burn-out.

Dann plagt uns noch ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht für unsere Kinder oder unseren Partner da sein können, so wie wir gerne würden.

Die unverwirklichten Hobbys, Wünsche und Projekt-Ideen lösen weitere Unsicherheiten aus.

Und wir haben das Gefühl, dass wir ertrinken.

Anstatt ein Traumleben zu führen, leben wir einen Albtraum.

Wir geben auf.

Und wenn uns jemand fragt “Warum änderst du dieses und jenes nicht?”, sagen wir: Wir haben keine Zeit.

Doch Zeit ist nicht das Problem, sondern wir.

Ich weiß, das sind harte Worte. Dieser Newsletter überzeugt dich hoffentlich, und du nimmst eine neue Perspektive ein.

Um was es heute geht, eine kurze Übersicht

  1. Die Wichtigkeit der Selbstfürsorge
  2. Warum Zeit kein Problem ist, sondern eine Ausrede
  3. Wie wir unseren Platz an der Sonne wiederfinden können: täglich 30 Minuten für uns freischaufeln
  4. Indem wir eine Übersicht unseres Tagesablaufs erstellen
  5. Zeitdiebe identifizieren und eliminieren / optimieren
  6. Meister im “Nein” sagen werden

Ohne Selbstfürsorge kein besseres Leben

Also, was braucht es, damit wir unseren Platz an der Sonne wiederfinden?

Die schrecklich unspektakuläre, aber konkrete Antwort: Zeit für uns (Selbstfürsorge).

Eines Tages kommen wir nicht darum herum, für uns zu sorgen. Die Frage ist lediglich, ob wir passiv zusehen oder aktiv mitsteuern. Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten:

  1. Wir lassen es zu (verändern nichts am Leben), und riskieren, dass wir einen Burn-out, eine Depression erleiden. Sozusagen Schiffsbruch. → passive Selbstfürsorge.
  2. Wir übernehmen das Steuer (verändern Stück für Stück unser Leben), und sorgen dafür, dass wir unser Traumleben lancieren. → aktive Selbstfürsorge.

Selbstfürsorge verhindert also nicht nur Burn-out/Depression, sondern erhöht auch die Produktivität, und ermöglicht ein besseres Leben.

Wenn du Selbstfürsorge kritisch siehst, als etwas Egoistisches oder verpöntest, wenn du gar ein schlechtes Gewissen hast (und das hast du definitiv, wenn du denkst, dass Selbstfürsorge etwas Egoistisches sei), dann bitte überdenke das nochmals.

Selbstfürsorge ist wie das Aufladen eines Handys. Wenn man sein Handy ständig benutzt, ohne es aufzuladen, wird der Akku schließlich leer und das Handy schaltet sich ab. Aber wenn man sein Handy regelmäßig auflädt, kann es weiterhin einwandfrei funktionieren. Genauso benötigen wir Menschen regelmäßige Selbstfürsorge, um weiterhin einwandfrei funktionieren zu können.

Nicht nur 1 x im Monat (zB Spa & Wellness am Wochenende mit Freunden), sondern täglich, wie auch das Handy täglich geladen wird.

Verstehe mich nicht falsch. Ich habe absolut nichts gegen Spa & Wellness. Persönlich liebe ich es sogar; Sauna und Massagen den ganzen Tag, her damit.

Aber putzen wir 1 x im Monat unsere Zähne? Trinken wir 1 x in der Woche Wasser?

Nein.

Hier ein paar Selbstfürsorge-Ideen, die wir allein machen können, noch dazu wenig Zeit erfordern (mit Fokus auf viel beschäftigte-Eltern):

Klingt machbar, oder?

Samuel, du kapierst das nicht. Ich benötige keine Atemübung, sondern richtige Hilfe.

Ich verstehe. Lass mich dir dennoch sagen:

DAS ist Hilfe. Jedenfalls ist das ein Anfang.

Wer die Atmung nicht ehrt, ist das Leben nicht wert.

Ausrede. Ausrede. Ausrede.

Wer sich keine zwanzig bis dreißig Minuten täglich Zeit für sich nehmen kann, hat ein massives Selbstmanagement Problem. Und wird den Platz an der Sonne höchstwahrscheinlich niemals finden.

Hier ein paar gute und weniger gute Ausreden:

Atemübung? Ich atme schon den ganzen Tag, bringt trotzdem nichts.

Meditation? Soll das ein Scherz sein?

Wenn ich ein Bad nehme, schlafe ich ein und ertrinke, nein Danke.

Yoga? Ich bin so unflexibel, dass ich nicht mal an meine Zehen komme.

Ein gesunder Smoothie? Ich bevorzuge meinen Café latte von Emmi™ 😎

Ein kurzes Nickerchen? Sobald ich schlafe, wache ich erst am nächsten Morgen auf.

Tagebuchschreiben? Ich habe kein Tagebuch.

Selbstmassage? Ich bin doch kein Freak.

Nun.

Eine Ausrede bleibt, was es ist: Eine Ausrede.

Und wenn wir dann noch darüber urteilen, was es angeblich nicht bringt, obwohl wir selbst kaum Erfahrungen haben (zB Tagebuchschreiben oder Meditation), dann ist das schon keine Ausrede mehr, sondern Quatsch-hoch-zehn.

Das Ding ist: Ausreden sind bequem.

Aber was bedeutet Ausrede sinngemäß eigentlich?

Das Wort "Ausrede" bezeichnet eine Erklärung oder einen Vorwand, der verwendet wird, um eine bestimmte Handlung zu vermeiden, eine Verantwortung abzulehnen oder ein Versäumnis zu rechtfertigen.

Es erinnert mich an ein unreifes Kind 😅

Ausreden sind teilweise plump, und entlarven uns.

Wenn ich besonders fies bin, nerve ich die Leute und frage ein paar Mal “warum”, nachdem sie scheinbar argumentieren, warum sie etwas nicht wollen. Auf diese Weise stellt sich schnell heraus, ob sich die Person ernsthaft Gedanken gemacht hat oder in einer bequemen-plumpen-Ausreden-Falle ist.

Das wirklich Fiese an Ausreden ist, dass sie teilweise auch gerechtfertigt sind. Im Sinne von, dass gewisse Tatsachen schlicht wahr sind.

Eltern etwa haben tatsächlich weniger Zeit, und zwar grundsätzlich.

Eltern können nicht immer einen Mittagsschlaf machen, weil die Kinder nicht dazu gezwungen werden können.

Eltern können nicht immer arbeiten gehen, wenn niemand auf das Kind aufpassen kann. Und eine KiTa zu teuer ist.

Rekonvaleszente wollen sich womöglich keine Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen, weil sie mit ihrer Genesung beschäftigt sind.

Ich hoffe, diese Beispiele leuchten ein.

Ich hoffe auch, wir sehen ein, dass diese Ausreden, obwohl sie teilweise auf realen Herausforderungen basieren, oft durch bessere Zeitmanagement- und Problemlösungsstrategien überwunden werden können.

Wobei wir nicht um ein bestimmtes Thema herum kommen.

Das Handy als Suchtmittel

Den digitalen Medienkonsum zu reduzieren, ist der einfachste Weg, um täglich dreißig Minuten mehr Zeit zu haben.

Angefangen beim Handy.

Ohne Handy wären wir ruhiger und gelassener.

Und wer denkt, ein Handy sei neutral, der irrt.

Technologie kann nicht neutral sein, denn es ist darauf ausgelegt, dass Geld damit gemacht wird. In Digitaler Minimalismus wird Tristan Harris zitiert, ein früherer Google-Techniker, der dazu Folgendes sagt:

... es gibt immer dieses Gerede, dass Technologie neutral sei. Und dass es an uns liegt zu entscheiden, wie wir sie nutzen. Das stimmt einfach nicht (S. 25).

Ein Handy ist, wenn man es unter dem Gesichtspunkt Dopamin anschaut, ein Kasino. In Digitaler Minimalismus wird erneut Tristan Harris zitiert, der zum Handy sagt:

Das Ding ist ein Spielautomat (S. 25).

Es braucht manchmal wirklich nicht viel.

Mit den richtigen Methoden (weniger Handy) können bereits 30 Tage genügen, um sich mehr Klarheit im Leben zu verschaffen.

Nicht immer braucht es einen teuren Kurs, hundert Bücher oder Medikamente. Nur Abstand nehmen von der digitalen Welt. Weg vom Äußeren, hin zum Inneren. In Digitaler Minimalismus heißt es:

Brooke brachte die Erfahrung, über die viele im Zusammenhang mit ihrer einmonatigen Entrümpelung berichtet haben, sehr gut auf den Punkt: 'Einunddreissig Tage lang Abstand zu nehmen, hat mir eine Klarheit verschafft, von der ich gar nicht gewusst hatte, dass sie mir fehlte. ... Jetzt, wo ich es von aussen nach innen betrachte, sehe ich, dass die Welt so viel mehr zu bieten hat!' (S. 84).

Das Schöne an Klarheit ist, dass sie letztlich zu einem besseren Leben führt.

Wem es also gelingt, größtenteils auf digitale Medien zu verzichten, dem blüht ein bunteres Leben. Es werden plötzlich Dinge geschehen, denen man zuvor keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. In Digitaler Minimalismus wird über eine Erfolgsgeschichte berichtet:

Er hatte eine ehrenamtliche Tätigkeit nahe seinem Wohnort aufgenommen, er trainierte regelmässig, er las drei bis vier Bücher im Monat, er hatte angefangen, Ukulele zu spielen, und er sagte mir, dass er jetzt, wo sein Telefon nicht länger an seiner Hand festgeklebt sei, seiner Frau und seinen Kindern näher gekommen sei als je zuvor (S. 44).

Bevor wir uns den Tagesablauf anschauen, ist es Zeit für eine Selbstfürsorge-Selbstbeurteilung.

Von 1 bis 10 (1 = nie: katastrophal, 10 = mehrmals täglich: perfekt), welche Punktzahl gibst du dir?

Wie gut und wie oft kümmerst du dich um dich?

Sei ehrlich.

Und denke daran: KEINE Ausrede.

Oder erkenne zumindest, dass du dich versuchst heraus zu reden.

Und?

Bist du überrascht, verärgert, traurig?

Gut, denn es sind die Emotionen, die uns verändern, nicht der Intellekt.

Übrigens: Es ist okay, wenn wir manchmal Fehler machen oder nicht perfekt sind.

Und schämen brauchen wir uns dafür auch nicht.

Betrachte es objektiv. Die Dinge sind, wie sie sind, und diese Klarheit ist schon sehr wertvoll.

Apropos wertvoll.

Wie können wir herausfinden, welche Aktivitäten uns konkret von unserer wertvollen Zeit abhalten?

Kennst du deinen Tagesablauf?

Den Tagesablauf nicht zu kennen ist wie einen Weg im Dunkeln zu gehen, ohne eine Taschenlampe zu haben.

Damit meine ich nicht, jede deiner fünf Minuten detailliert festzuhalten. Hier geht es darum, zu erkennen, wie viel Zeit du wofür benötigst.

Nimm dir etwas Zeit, zehn bis zwanzig Minuten sollten genügen, und schreibe grob deinen Tagesplan auf; wann machst du was. Schreibe einfach auf, wie ein ganz normaler Tag bei dir aussieht, ohne lange nachzudenken.

Bei einer Mutter oder einem Vater könnte das so aussehen:

07:00 Tagwach

07:00 bis 07:45 Schoppen für Baby + Frühstück für alle zubereiten + Umziehen + Zähneputzen usw.

07:45 bis 08:15 Kind in die Schule bringen

08:15 bis 08:45 Kaffee trinken und durchatmen

08:45 bis 09:45 Wäsche waschen + Baby unterhalten

Ich hoffe, es ist klar, worauf ich hinaus möchte.

Wenn es in deinen Tagesabläufen große Unterschiede gibt (zB Montag ist komplett anders als Dienstag), machst du am besten eine Übersicht von zwei oder drei verschiedenen Tagen.

Allein dieser Schritt kann enorme Klarheit verschaffen.

Wie das Zünden einer Fackel in der Dunkelheit, die uns hilft, den Weg zu sehen.

Aber das ist noch nicht alles.

Halte außerdem fest, wie oft du welche digitalen Medien konsumierst.

Diese Übung ist ein wenig schwieriger.

Zum einen gibt es große Unterschiede zwischen Personen; manche nutzen kein Social Media, andere sind täglich hundertmal auf Instagram; manche schreiben E-Mails auf dem Handy, andere nur am Computer.

Und zum anderen, weil wir digitale Medien oft unbewusst nutzen; unser Handy ist immer griffbereit (wörtlich!).

Daher würde ich einfachheitshalber vorschlagen, erst mal nur Tagebuch über das Handy zu führen.

Einfach festhalten, wann zum Handy gegriffen wird, und was man gemacht hat.

So könnte das aussehen:

Ich stelle mir gerade vor, wie dem einen oder anderen die Schuppen von den Augen fallen, wenn abends die zehnseitige Liste studiert wird 😅

Zeit ist nichts, was wir haben, sondern etwas, was wir uns aktiv holen, erkämpfen müssen. Wenn wir es aber geschafft haben, täglich Zeit für uns freizuschaufeln, dann kann uns wirklich nichts mehr aufhalten, und wir zerreißen das Band zur Hölle mit bloßen Händen.

Freiwillige für eine 30-tägige digitale Aufräum-Challenge gesucht

Ich denke darüber nach, in den nächsten Wochen eine digitale Aufräum-Challenge a la Cal Newport anzuleiten. Wenn du Interesse hast, melde dich gern, oder halte deine Ohren spitz. Ich denke, das hat das Potenzial, Leben zu verändern.

Ich höre und lese so oft, dass Personen gerne mehr aus ihrem Leben machen würden. Sie eine innere Stimme hören, die ihnen zuruft: “Da ist mehr!”.

Sich letztlich aber mit Mittelmaß zufriedengeben. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern nur eine Feststellung.

Vielleicht passiert das gerade? Du liest diese Worte und denkst:

“Oh, klingt gut, ich möchte meinen Tagesablauf auch im Detail kennen und meinen Handy-Konsum reduzieren, damit ich endlich mehr Ruhe & Gelassenheit habe.”

Aber du machst nichts dagegen!

Statt dir die Liste aufzuschreiben, gehst du zur nächsten E-Mail, oder klickst auf die nächste App.

Wie ein im Käfig gefangener Vogel, der zunächst verzweifelt gegen die Gitterstäbe flattert und sich nach der Freiheit sehnt, nach einem selbstbestimmten Leben, eines Tages jedoch sich mit seiner Situation abfindet.

Im Käfig bekommt der Vogel Futter. Wird nicht gefressen. Und hat es insgesamt wohlig.

Aber der Vogel lebt nur Mittelmaß.

Frage: Wenn du dieser Vogel wärst, und eines Tages die Gittertüre offen stehen würde, würdest du im Käfig bleiben oder in die weite Welt hinaus fliegen?

Mittelmaß ist nicht per se schlecht. Wir müssen uns allerdings klarmachen, was wir wollen.

Mittelmaß oder Abenteuer?

Angst oder Mut?

Monotonie oder Leben?

Stillstand oder Fortschritt?

Komfortzone oder Herausforderung?

Das sind wieder große Fragen. Und ich habe viele Ideen dazu. Vielleicht behandle ich das mal in einem anderen Newsletter, mal schauen.

Jedenfalls, wenn du Zeit freischaufelst, deinen Tagesablauf besser kennst, oder deinen digitalen Medienkonsum minimierst, öffnet sich die Gittertüre.

Das ist sozusagen Schritt null. Was ich damit meine ist: Zuerst müssen wir gewisse Voraussetzungen schaffen, bevor wir unser Traumleben lancieren.

Sehe Schritt null als tiefes Einatmen, bevor du ins Wasser tauchst.

Eine sehr kurze Anekdote über meinen Medienkonsum: Seit ich keine Tages-News mehr konsumiere, ist es emotional steil bergaufwärts gegangen.

Glaube nicht, du musst Tages-News konsumieren. Du musst überhaupt nichts, höchstens auf dein Wohlergehen und das deiner Familie achten. Lese das Buch von Dobelli zum Thema Medienkonsum, erhellend.

Das bedeutet nicht, dass wir in einer Höhle leben, und nichts mitbekommen. Wir können stattdessen Bücher lesen, und sogar tiefer in die Materie einsteigen. Wir können bewusst wählen, was wir wie in unser Leben lassen.

Ich hoffe, dass ich die Gemüter hiermit nicht erhitze.

Darum zurück zum Thema.

Zeitdiebe identifizieren und eliminieren / optimieren

Jetzt, da wir unseren Tagesablauf sowie unsere Handy-Nutzung kennen, sollte es uns hoffentlich leichter fallen, unwichtige Dinge aus unserem Leben zu streichen.

Zwei Schritte sind hier erforderlich:

  1. Muster erkennen (grundsätzliche): welche Aktivitäten kosten uns am meisten Zeit?
  2. Unwichtige Dinge erkennen (spezifische): was sollten wir optimieren oder aus unserem Leben streichen?

Schritt eins mag langweilig sein, ist aber enorm wichtig. Denn wo kein Bewusstsein vorhanden ist, dort kann auch keine Veränderung stattfinden.

Sozusagen Persönlichkeitsentwicklung 1.0, ohne Klarheit, kein besseres Leben.

In Schritt zwei hinterfragen wir dann die Muster, die wir in Schritt eins erkannt haben.

Vielleicht erkennen wir in Schritt eins nun, dass wir siebzig Milliarden Mal am Tag auf WhatsApp sind. Oder wöchentlich fünf Stunden für Lebensmitteleinkäufe draufgehen.

Typische Zeitfresser:

Wie auch immer, verurteile dich nicht. Nimm das erst mal zur Kenntnis.

Und in Schritt zwei fragen wir: Was könnten wir optimieren oder sogar eliminieren?

WhatsApp: Müssen wir wirklich immer erreichbar sein? Genügt es nicht, 2 bis 3 Mal täglich WhatsApp zu überprüfen? → Täglich von 100 Min. auf 25 min reduzieren (optimieren).

E-Mails: Müssen wir zB am Wochenende unsere E-Mails lesen? Falls du dies tust, überlege mal ernsthaft, musst du wirklich deine E-Mails lesen? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dies nicht musst. → Am Wochenende von 20 min auf 0 min reduzieren (eliminieren).

Lebensmitteleinkäufe: Ja, wir benötigen Lebensmittel. Aber ist es wirklich notwendig, dass wir fünf Stunden wöchentlich für Lebensmitteleinkäufe aufwenden? Könnten wir stattdessen nicht einmal einen Großeinkauf machen? Oder uns die Lebensmittel liefern lassen? → Wöchentlich von 5 h auf 1,5 h reduzieren (optimieren).

Sport: Statt ins Fitnessstudio zu fahren, könnten wir vielleicht ein Work-out Zuhause machen? → Von wöchentlich 6 h (v.a. wegen Hin- und Herfahrt) auf 2,5 h reduzieren (optimieren).

Mittagessen: Statt Zuhause kochen, auswärts in einem Restaurant oder einer Kantine essen? → Täglich von 1,5 h (Kochen + Abwasch) auf 0 min reduzieren (eliminieren).

Was mit Zeitdiebe identifizieren und eliminieren / optimieren gemeint ist, sollte jetzt klar sein.

Doch was ist mit unvorhergesehenen Aktivitäten oder „Verpflichtungen“, die spontan entschieden werden müssen?

Werde Meister im “Nein” sagen

Zunächst halten wir grundsätzlich fest: Wer öfter “Nein” zu den unwichtigen Dingen sagt, sagt öfter “Ja” zu den wichtigen Dingen.

Das klingt wieder nach einer dieser abgedroschenen Plattitüden, stimmt aber.

Sagen wir etwa Nein zu E-Mails am Wochenende, sagen wir Ja zu unserer Familie → tiefere Verbindung.

Sagen wir Nein zu täglich hundertmal WhatsApp, sagen wir Ja zu fokussierter Arbeit (Deep Work) → mehr Erfüllung.

Nein zu stressigem Einkaufen, Ja liefern lassen, Ja zu unserer Familie, Ja zu entspannen, spielen und lesen → Ja zu mehr Ruhe & Gelassenheit.

Und wenn uns jemand spontan fragt, ob wir dies und jenes machen können, sagen wir öfter nein.

Natürlich bleiben wir freundlich. Und selbstverständlich wägen wir die Situation ab. Wir sind ja keine Ego-Manias.

Aber wie können wir eigentlich herausfinden, was wir nicht-wollen? Diese Erkenntnis fällt ja nicht vom Himmel.

Richtig.

Daher dieser Prozess des täglich 30-Minuten-Zeit-freischaufeln. Damit wir uns Gedanken machen können.

Der schnellste Weg, um herauszufinden, was wir nicht-wollen, führt über das heilige Dreieck, worüber ich im letzten Newsletter geschrieben habe. Bestehend aus 1. Tagebuchschreiben, 2. Spazieren gehen, 3. Mit vertrauter Person austauschen.

Und wenn wir wissen, was wir wollen (ich meine wirklich wollen, und nicht was wir denken, was andere wollen), dann gelingt uns das Nein sagen nicht nur öfter, sondern auch leichter.

Denn auf einmal können wir sagen: “Sorry, aber ich habe bereits etwas geplant.” Und wissen, dass es stimmt. Wir haben Vertrauen in uns.

Hier geht es weder um Entschuldigungen noch um Ausreden. Sondern darum, dass wir jene Dinge tun, die WIR wollen.

Das ist ja der ganze Sinn dieser Übung. Wir fangen bei täglich 30 Minuten an, und maximieren die Minuten von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, und von Jahr zu Jahr.

Wie? Indem wir das heilige Dreieck anwenden: 1. Tagebuchschreiben, 2. Spazieren gehen, 3. Mit vertrauter Person austauschen.

Gibt es jemanden, der das nicht möchte?

Ernsthaft: Ich kann mir kein besseres Ziel für meine Existenz vorstellen, als mich möglichst viel mit Dingen sowie Personen abzugeben, die ich mag.

Ich höre schon die Kommentare, von wegen “das Leben ist kein Ponyhof”.

Ich verstehe.

Damit sage ich aber nicht, dass das Leben ein Zuckerschlecken ist. Ich sage auch nicht, dass sämtliche Schwierigkeiten eines Tages aus dem Leben verschwinden werden, und wir 24/7 Romane lesen und Schokoladenkuchen essen können.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass das Leben zu kurz ist, um es zu vergeuden.

Aber wenn du den ganzen Tag nach der Pfeife anderer tanzen möchtest, schön. Nur zu. Niemand hält dich auf.

Wenn du jedoch mehr aus deinem Leben machen willst, musst du Grenzen setzen. Du musst Meister im Nein sagen werden.

Stell dir eine Burg vor. Siehst du die dicke, hohe Mauer und das Eingangstor? Gut. Nun schließe das Tor, und schütze dich vor unerwünschten Eindringlingen.

Nochmals: Wer öfter “Nein” zu den unwichtigen Dingen sagt, sagt öfter “Ja” zu den wichtigen Dingen.

Schreibe in den 30 freigewordenen Minuten Tagebuch, gehe spazieren oder tausche dich mit einer vertrauten Person aus. Und lerne etwas über dich. Entdecke, was du wirklich in deinem Leben willst.

Magie

Stell dir vor, du hast die Kontrolle über deine Zeit und dein Leben.

Du erledigst alltägliche Aufgaben und hast noch Zeit für das, was du liebst.

Du kannst die Zeitblöcke in deinem Kalender beliebig verschieben.

Wie ein Zauberer.

Wäre das nicht fantastisch?

Verbringe mehr Zeit allein und gönne dir mehr Ruhe & Gelassenheit

Heute werden stündlich neue Dinge erfunden, im Gegensatz zu wöchentlichen Erfindungen vor 100 Jahren. Und wir haben das Handy griffbereit. 24/7.

Das bedeutet, dass wir heute viel mehr Informationen aufnehmen als frühere Generationen.

Wir sind unruhig und impulsiv, weil wir ständig überreizt sind.

Unser Verstand ist permanent am Arbeiten. Daher ist es eine Wohltat, wenn wir Zeit allein verbringen können; nicht nur um unsere Gedanken zu sortieren, sondern auch um uns zu erholen. In Digitaler Minimalismus wird Abraham Lincoln zitiert:

'Ich habe eine Vielzahl kluger Gedanken über das Thema Einsamkeit gelesen [...] Ich schätze das Alleinsein als angenehme Erholung für einen beschäftigten Verstand.' (S. 104).

Aber das Allein-sein hat sogar noch mehr zu bieten.

Wer sich Zeit nimmt, um alleine zu sein, betreibt nicht nur Selbstfürsorge, sondern täglich wesentlich zum Lebensglück bei. Das Allein-sein ist ein wesentlicher Teil des Menschen. Damit wir tiefgründig nachdenken, und somit unser bestes Leben leben können. In Digitaler Minimalismus wird Aristoteles zitiert:

'Das beste und angenehmste Leben ist das Leben des Geistes.' Abschliessend erklärt er: 'Dieses Leben ist auch das glücklichste.' Wie Aristoteles ausführt, ist ein von gründlichem Nachdenken erfülltes Leben glücklich, weil die Kontemplation eine 'Tätigkeit [ist], die um ihrer selbst willen geschätzt wird ... nichts wird daraus gewonnen ausser dem Vorgang der Kontemplation.' Mit dieser beiläufigen Bemerkung identifiziert Aristoteles vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte philosophischer Aufzeichnungen eine Vorstellung, die sich während der nachfolgenden Jahrtausende behauptet hat und bis heute unser Verständnis der menschlichen Natur bestimmt: ein gut geführtes Leben erfordert Tätigkeiten, die keinem anderen Zweck dienen als der Befriedigung, welche die Tätigkeit selbst erzeugt (S. 171).

Ich hoffe, dies motiviert dazu, einem klugen Menschen, möglicherweise dem klügsten in der westlichen Geschichte (Aristoteles), zu folgen.

Tu es für dich.

Für deine Kinder.

Deinen Partner.

Deine Familie.

Für eine bessere Welt, es beginnt bei uns, nicht bei anderen.

Kennst du solche Wochen auch?

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