Fortschritt braucht Wiederholung
Abwechslung ist eine Dopaminfalle und zugleich ein potenzieller Killer für alles, was wir besser heute als morgen erledigt haben wollen.
Abwechslung ist ein Honig-triefender-Bienenstock, dessen Anblick man sich nicht entziehen kann.
Abwechslung ist auch Ablenkung; zB von der Angst der eigenen Unzulänglichkeit oder von der Kritik an sich selbst (Stichwort Perfektionismus).
Den gleichen Input zu wiederholen ist essenziell. Jedenfalls wenn wir Erfolg haben wollen, sei es in der Karriere, der Liebesbeziehung oder der Gesundheit. Wenn wir keine Konsistenz entwickeln, dürfen wir uns auch nicht über fehlenden Fortschritt beschweren. Dies ist selbstverständlich kein einfaches Unterfangen.
Doch anstatt ständig neuen Dingen hinterherzurennen, weil wir dem Dopamin nachjagen (was übrigens nicht per se falsch ist), müssen wir das Aushalten der immer-gleichen-Wiederholung lernen.
Ich frage mich, womit es zu tun hat, wenn wir in die Dopaminfalle tappen.
Vielleicht hat es gar nichts mit dem Neuen zu tun, das reizt, sondern damit, dass zu wenig Klarheit in unserem Leben vorhanden ist? Und wir erliegen dem Reiz des Neuen nur deshalb, weil uns sozusagen eine echte Alternative fehlt?
Oder hat es mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu tun? Oder damit, dass die Gründe für die jeweiligen Ziele / Visionen zu wenig konkret sind? Oder wurde die Schmerzgrenze noch nicht erreicht? Oder ist XY nicht wichtig genug? Die Gründe können vielfältig sein.
An dieser Stelle möchte ich einen wichtigen Punkt hervorheben: Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich nicht inspirieren lassen und Neues entdecken soll. Das ist sogar ausgesprochen wichtig! Ja, wer im Leben vorwärtskommen möchte, muss das sogar. Abwechslung / Ablenkung ist also keine Frage des ob, sondern des wann und wie.
Wann:
- Sicher nicht zur produktivsten Zeit, was von Person zu Person unterschiedlich ist. Bei mir ist das morgens / vormittags. Ich setze alles daran, dass ich während dieser Zeit ausschließlich an meinen Quartals-Zielen arbeite.
- Ein weiterer Grundsatz von mir lautet: morgens / vormittags NUR Output. Das heißt, keine YouTube Videos, kein WhatsApp, keine E-Mails usw. Es gibt zwei Ausnahmen: 1. Kurse: Die ich vormittags mache, und meistens unter dreißig Minuten halte. 2. Meetings über die ich keine oder nur wenig Entscheidungsbefugnis habe.
Wie:
- Schaue ich mir YouTube-Videos über das Stricken an, weil es mich wirklich interessiert und ich gerne selbst stricken lernen möchte? Oder schaue ich mir hundert Netflix-Videos in der Woche an, damit ich mich “gut” fühle, weil ich es “verdiene” usw.?
- Ich probiere etwas Neues aus, sorge aber dafür, dass die “alten” Gewohnheiten aufrechterhalten werden. Jedenfalls gilt das so lange, bis ich eines Tages bewusst entscheide, dass ich eine bestehende Gewohnheit nicht mehr weiterverfolgen möchte. Weil zB das eigentliche Ziel bereits erreicht wurde oder die Erreichung des Zieles nicht mehr relevant ist. Wichtig ist: Ich treffe diese Entscheidung bewusst.
Drei konkrete Beispiele, wo die Dopaminfalle zuschlagen kann:
- Karriere: Ich möchte professioneller Fotograf werden. Das Fotografieren steht als Platzhalter für irgendeine Fähigkeit, es kann auch Häkeln, Surfen, Jonglieren oder Singen sein. Das Endziel ist die Entwicklung einer Fähigkeit. Jedenfalls, wer glaubt, dass ein paar Kurse und eine teure Kamera genügt, um sich als professionellen Fotografen zu bezeichnen, macht sich etwas vor. Was es in Wahrheit benötigt, ist Konsistenz, zB in Form von tatsächlich-gemachten-Fotos. Und ein Foto pro Woche genügt nicht. Es bringt auch nichts, einmal im Monat einen ganzen Tag lang zu fotografieren, um für den Rest des Monats nichts zu tun. Ist es am 300. Tag langweilig? Vielleicht!? Wird man dadurch besser (Fähigkeit) oder kommt man dabei seinem Ziel näher (zB irgendwann 4’000.- pro Hochzeit zu verdienen)? Wenn ja, dann muss man die Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Langeweile zählt nicht. Es zählt auch nicht, wenn Videos plötzlich interessanter werden. Oder man die Programmier-Sprache entdeckt. Oder das Malen einen auf einmal interessiert. Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Nicht in die Dopaminfalle tappen.
- Liebesbeziehung: Dem Partner jeden Tag eine Freude bereiten. Nun, irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich gefühlt das immer-gleiche tat (ich habe eine ganz Liste, gefüllt mit Dingen, die meine Frau mag und schätzt). Ich fand das langweilig. Weil ich aber erlebte, was ich damit bewirkte, hatte ich schließlich keine Mühe, diese Gewohnheit weiterzuführen. Es muss mich im Grunde genommen herzlich wenig interessieren, ob das, was ich tue, originell ist. Was zählt ist, dass es einen positiven Einfluss hat. Ich nehme zwar gelegentlich mal etwas Neues hinzu. Grundsätzlich jedoch versuche ich die Dinge zu wiederholen, die sich bewährt haben.
- Gesundheit & Fitness: Wollen wir am Ende des Jahres nicht alle fit sein? Uns gesund fühlen? Kann es langweilig werden, täglich oder alle zwei Tage dieselben Übungen / Work-outs zu absolvieren? Täglich die immer gleichen Gemüse-Smoothies zu trinken? Ja. Ist aber egal. Denn ich muss nicht alles ausprobiert haben (zB Yoga, Pilates, CrossFit oder Diät XY). Hauptsache ich bin fit und lebe gesund. Wenn ich nämlich alles ausprobiere, und bei nichts länger verweile, erziele ich auch keine zufriedenstellenden Resultate. Weil ich aber Erfolg haben möchte, schlage ich der Dopaminfalle ein Schnippchen. Und lasse mich von den Dutzenden Trends nicht ablenken. Mein Fokus: Fit sein und gesund leben.
Zum Schluss noch drei Tatsachen, die wohl alle Beispiele gemein haben:
- Die Tat ist oft “klein”, zB dem Partner ein Kompliment machen, oder ein Foto mit einer bestimmten Komposition schießen.
- Wir reden uns ein, dass nichts daran ist, wenn wir es heute ausnahmsweise auslassen, morgen ist schließlich auch noch ein Tag.
- Wir sparen Willensstärke, wenn wir uns nicht ständig um etwas Neues bemühen müssen. Dadurch können wir unsere Energie zB in unsere Kinder oder Projekte stecken.
Wenn wir unsere Fähigkeiten entwickeln oder Ziele erreichen wollen, sind wir auf unseren Charakter angewiesen. Ohne mentale Stärke gehen wir in der Dopaminwelt unter.
Das Aushalten der immer-gleichen-Wiederholung ist also eine Charakterstärke.
Kann man Charakterstärke lernen? Ja.
Der Charakter ist wie ein Muskel, der trainiert werden kann.
❌ Meine weiteren Highlights der Woche
🥲 Spirituell - Ich habe vor Glück geweint. Keine Tränen, nur ein halbes-Geschluchze. Und das mitten im Work-out, während knallharte Musik lief und ich ganz allein zu Hause war! Ein seltsamen, aber wunderschönes und kurzes Ereignis. Mich würde hier übrigens wirklich interessieren, ob jemand eine ähnliche Erfahrung gemacht hat? Ein Blitzgedanke sagt mir, dass ich nicht sagen darf, dass ich glücklich bin, weil ich anderen so vielleicht auf die Füße trete? Ich kann es trotzdem nicht leugnen: Ich bin glücklich 🙂 Möchte aber hinzufügen, dass ich das nicht 24h am Tag bin. Außerdem zwei Punkte, falls du unglücklich oder unzufrieden mit deinem Leben bist: 1. Du bist nicht allein, 2. Du bestimmst über dein Leben.
🛠 Methoden & Tools: Speed Video Reader ist ein Tool, das man zB im Chrome Browser installiert, womit man Videos schneller schauen kann. Wenn ich Kurse oder Webinare schaue, hat es mich oft genervt, dass man die Geschwindigkeit nur x 2 einstellen kann. Mit dem Speed Video Reader kann man bis x 4 oder sogar noch mehr einstellen. Es hilft enorm, zB gewissen Passagen eines Webinars oder Kurses schneller zu durchlaufen, wenn ich das Unter-Thema bereits kenne resp. wenn es mich langweilt, weil die Sprecher seeeeeehr langsam sprechen.
🍝 Quality of Life: Abendessen mit meiner Schwester. Wir haben einen fixen Termin alle fünf Wochen. Dann essen wir lecker und schwatzen, bis vier, fünf Stunden im Nu vorüber sind. Eine solche Routine haben wir deshalb etabliert, da wir ca. 80 Min voneinander entfernt wohnen, ein spontanes Treffen ist unwahrscheinlich, ein Abendessen fix im Kalender daher ein muss. Wenn du auch jemanden hast, den du magst und mit dem du öfter Zeit verbringen möchtest, dem kann ich dies wärmstens empfehlen.
🏋️♀️ Gesundheit & Fitness: Wieder einmal hat es sich bewährt, statt alles auf den Kopf zu stellen, lediglich eine kleine Änderung vorzunehmen. Dieses Mal habe ich an meinem bestehenden Work-out lediglich die Zeit besser eingehalten. Statt eine Wiederholung in ca. drei Sekunden, führe ich sie nun mit einer pedantischen Korrektheit aus, eine Wiederholung dauert fünf Sekunden (zwei Sekunden Spannung, drei Sekunden Entspannung). Das Resultat: Die drei Runden à 12 Sets sind anstrengender, und auch der Muskelkater ist stärker.
🥷 Intellekt - Zitat: Gib niemals auf.
🏡 Emotionen & Psychologie: Arbeit und Privates zu trennen ist nach wie vor eine Herausforderung für mich. Manchmal gelingt es mir besser, an anderen Tagen weniger. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist: Wenn es mir gelingt, bin ich 10X präsenter. Und das fühlt sich gut an. Leider gelingt es mir nicht immer, da mein Hirn ständig Ideen produziert. Darüber möchte ich mich auch nicht beklagen, und darum geht es hier auch nicht. Ich möchte nur festhalten, dass ich zwar eine Art Abschalte-Ritual (inspiriert durch Cal Newport) habe, die jedoch noch Entwicklungsbedarf hat. Ich arbeite daran.
▶️ Karriere: Wer ein interessantes Gespräch zwischen zwei erfolgreichen Unternehmern sehen möchte.
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