← Alle Briefe Brief · 30. Januar 2023 · 6 Minuten Lesezeit

Ferien können zur Qual werden

Ferien können zur Qual werden.

Die Wahrheit ist: Arbeit muss in irgendeiner Form in meinen Ferien vorkommen. Ansonsten werden Ferien tatsächlich zur Qual. Ich genieße Freizeit, vor allem Zeit mit meiner Familie. Jedoch “muss” ich arbeiten, sonst werde ich ungehalten. Und das meine ich ernst.

Arbeit = Lesen, Schreiben, Lernen, Denken, Planen, Weiterentwickeln usw. (das gilt übrigens auch fürs Wochenende, unter der Woche ohnehin).

Doch soweit muss es nicht kommen, ich bin organisiert. 😎

Freiheit erfahre ich, wenn ich mich in ein Gefängnis schließe (natürlich metaphorisch gemeint).

Gefängnis = Struktur, Planung, Gewohnheit, Zielsetzung usw.

Ich habe mir gerade ernsthaft folgende Frage gestellt (zum wiederholten Mal): Fühle ich mich tatsächlich freier, gerade in den Ferien oder am Wochenende, wenn ich mich in ein Gefängnis schließe? Stimmt das wirklich, oder ist das eine faule Ausrede, weil ich nicht gerne Zeit mit meiner Familie verbringe?

Die Antwort lautet ganz eindeutig: Ja und Nein.

Ja, ich benötige meine Struktur, meine Gewohnheiten usw. Dadurch werde ich ruhig, entspannt, präsent, angenehm usw.

Und nein, das ist keine faule Ausrede, um meiner Familie aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil, Quality Time mit meiner Frau und/oder meinen Kindern ist unbezahlbar. Genuss lässt sich aber nicht mit einem Fingerschnippen herbeizaubern. Sie muss bewusst herbeigeführt werden. Weil Arbeit jedoch, wie oben angedeutet, einen ebenfalls hohen Stellenwert bei mir genießt, komme ich nicht darum herum, mich besser zu organisieren.

Das ist kein Akt eines Wahnsinnigen, sondern eines Vernünftigen.

Das eine schließt das andere nicht aus.

Wenn die Balance zwischen Familie und Arbeit stimmt, dann kann ich die beste Version von mir selbst sein.

Ich höre bereits kritische Stimmen: Ich will spontan sein, ich möchte frei sein usw.

Verstehe ich alles. Genau das will ich nämlich auch.

Spontan und frei sein in den Ferien oder am Wochenende kann ich aber nur, wenn mein Leben strukturiert ist. Ansonsten werde ich unruhig. Und dann hat niemand etwas davon. Kennt das jemand?

Darum bin ich vernünftig, und organisiere mich!

Vor mir schwebt gerade ein Bild eines Menschen, dessen Mund und Nase zugeklebt, und dessen Backen mit Luft aufgeblasen sind. Der Kopf wird immer röter, während der Partner oder das Kind etwas erzählt, bis …

Fakt ist: Ich drohe zu ersticken, wenn nicht genügend Sauerstoff in meinem Körper zirkuliert.

Positiver formuliert: Präsent bin ich nur, wenn Sauerstoff zirkuliert.

Struktur, Planung, Gewohnheit, Zielsetzung usw. ist mein Gefängnis und meine Freiheit zugleich.

Was aber nicht bedeutet, dass ich ALLES von A bis Z strukturiere. Nur so viel wie möglich (und nötig). Dies ist auch von Person zu Person unterschiedlich.

Es bedeutet auch nicht, dass ich unflexibel bin. Bin ich sehr wohl. Es gelingt mir nur nicht immer so geschmeidig, wie ich es gerne hätte. Stichwort: ungeplante Ereignisse, wie zB Spitalaufenthalte usw.

Klar hängt das mit meinem Ego zusammen. Doch das Ego soll ja nicht gleich immer verteufelt werden, oder? Denn was auch zählt, ist doch, dass ich TROTZ DESSEN gerne für andere da bin, gerade für meine Familie oder Freunde. Einfach zur Selbstrechtfertigung 😅

Jedenfalls, wenn es wieder einmal so weit ist, dass ich von null auf hundert aus meiner Routine herausgerissen werde, dann erinnere ich mich daran, dass ich weniger streng und vor allem liebevoller mit mir umgehen soll. Mich wie jemanden behandeln, den ich mag, und dem ich helfen möchte, statt mich fertig zu machen, weil ich zB XY noch nicht fertigstellen konnte.

Drei passende Zitate von Kristin Neff (aus ihrem Buch Selbstmitgefühl):

Wenn wir uns im begrenzten Raum der Selbstverachtung befinden, ist es so, als existierte der Rest der Menschheit überhaupt nicht. Das ist kein logisches Denken, sondern eine Art emotionaler Tunnelblick.

Perfektionismus wird definiert als das zwanghafte Bedürfnis, die eigenen Ziele zu erreichen und auf keinen Fall hinter dem selbst gesteckten Ideal zurückzubleiben. Perfektionisten stehen unter enormem Druck und geben sich größte Mühe, immer alles richtigzumachen, und wenn ihnen das nicht gelingt, sind sie am Boden zerstört.

Der Schlüssel zum Selbstmitgefühl ist nicht die Verleugnung des Leidens, sondern die Erkenntnis, dass es völlig normal ist. An der Unvollkommenheit des Lebens gibt es nichts auszusetzen, solange wir nicht erwarten, dass es anders sein sollte, als es ist.

Das hilft. Manchmal.

Leicht ist es nicht.

❌ Meine weiteren Highlights der Woche

🖥 Karriere: Die meisten Suchanfragen auf Google zur Hochzeitsfotografie finden jeweils zwischen Januar und März statt. Im Januar 2023 habe ich für meine Hochzeitsfotografie erstmals eine Testkampagne mit Google Ads gestartet. Abgesehen von spannenden Erkenntnissen und Learnings schaute ich einige Webinare und startete einen Kurs auf Udemy. Diese Woche lanciere ich größere Kampagnen. Mein Ziel ist: bis Ende März mindestens acht Brautpaare zu buchen. Ich denke, das ist ein realistisches Ziel. Mal sehen.

😵‍💫 Intellekt: Sei kein Esel. Es gibt eine Parabel von einem Esel, der nicht weiß, ob er Wasser aus dem Brunnen trinken oder die Karotte nebenan essen soll, und währenddessen verdurstet. Wenn ich tausend Sachen im Kopf habe und aber gerade nichts tue, dann versuche ich mich daran zu erinnern, dass ich kein Esel sein möchte. Kein Esel. Kein Esel.

🏛️ Gesellschaft & Politik: Diesen Text halte ich für dringend. Ich bin überzeugt, wir dürfen das Thema Lobbying, institutionalisierte Korruption usw. niemals ignorieren, bestenfalls etwas dagegen tun. Fakt ist: Es gibt es (Lobbying, institutionalisierte Korruption usw.), genau wie es den Mond und die Mafia gibt.

🤩 Intellekt: Ein top top top Interview, geführt von The Diary of a CEO mit Tom Bilyeu. Eines der besten der letzten Monate, was ich gesehen habe. Darin ist so viel Wahrheit und Weisheit. Ich möchte, dass es sich möglichst viele Menschen anschauen!

🎯 Quality of Life: Eines meiner Quartals-Ziele für Q1 2023 lautet “Mit Familie Alpamare (Badeparadies) besuchen”. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Alpamare wohl noch zu früh für meinen Sohn gewesen wäre. Stattdessen sind wir ins Aquabasilea gegangen, was ebenfalls ein Badeparadies ist, nur ein etwas kleineres, wo wir aber dennoch großen Spaß hatten. Außerdem sind wir während den Ferien in den Zoo in Zürich gegangen (es war A*kalt). Was ich sagen möchte: 1 Quartalsziel erreicht ✅

📵 Emotionen & Psychologie: Ein Handy kann Fluch und Segen sein. Fluch vor allem, wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin. Daher habe ich es mal ausprobiert (Zoo Zürich & Aquabasilea), und geschaut, was passiert, wenn ich es bewusst Zuhause lasse, und zwar den ganzen Tag. Wunderbar hat das funktioniert! Das Gefängnis als Freiheit 😉

🏄🏻‍♀️ Zitat der Woche

Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber du kannst das Surfen lernen.

Jon Kabat-Zinn

PS: Wenn Dir der Newsletter gefällt oder Du jemanden kennst (zB eine junge Familie oder jemand mit ADHS), der am Newsletter interessiert sein könnte, leite diese E-Mail gerne weiter. Danke 💜

Kennst du solche Wochen auch?

Dann lass uns reden. 30 Minuten, zwei Eltern mit demselben Alltag. Oder hol dir den nächsten Brief direkt ins Postfach.

Termin aussuchen Briefe abonnieren