Sam Lei.
Brief · Essay · 3 Minuten · 20. Februar 2023

Der 24-Stunden-Traumtag

Was würdest du machen, wenn du ab sofort 24 Stunden machen könntest, was du willst? Klarheit geht über alles.

Tasse Tee auf dem Balkontischchen um 6 Uhr früh, daneben eine gefaltete Decke
Klarheit geht über alles.

Was würdest du machen, wenn du ab sofort 24 Stunden machen könntest, was du willst?

Wird dir schwindelig, weil du nicht weißt, wo anfangen, oder schwindelig, weil du nicht weißt, was anfangen?

Ich habe mir diese Frage schon gestellt, weil ich es eine faszinierende Frage finde. Ich meine, es bringt etwas Fundamentales auf den Punkt:

  • Weißt du überhaupt, was du im Leben willst?

Ich meine es ernst. Frage dich mal, wie dein Traum-Tag aussehen würde. Wie würdest du diesen zusammenstellen?

Erst mal ausschlafen, weil du müde und erschöpft bist oder zuerst einkaufen, weil der Kühlschrank leer ist, zählt nicht. Wir gehen davon aus, dass wir dafür bereits eine Lösung haben.

Oder schiebst du alles aufs Wochenende, wie M. J. DeMarco in seinem Buch The Millionair Fastlane schreibt? Und freust dich über zwei freie Tage? Begnügst du dich damit? Fünf Tage Arbeit für zwei Tage frei? Das ist ein Minus-Geschäft. Kein Mensch würde fünf Franken geben, um zwei Franken zu bekommen.

Fordere dich selbst heraus, und frage dich, was DU möchtest! Wie sieht DEIN Traum-Leben aus? Dein TRAUM-TAG?

Es spielt keine Rolle, ob du zehn Kinder hast oder fünf Hunde oder 100’000 Schulden oder keine Unterstützung in der Familie. Oder, oder, oder. Es geht nur darum, was DU möchtest, wenn du alles wahr werden lassen könntest?

Ich verstehe, dass das Leben nicht leicht ist. Bei mir ist auch nicht alles perfekt. Aber irgendwo müssen wir anfangen.

Außerdem benötigen wir Klarheit. Nochmals: Wenn du einen Zauberstab schwingen könntest, und trotzdem nicht weißt, was in den nächsten 24 Stunden anfangen, dann fehlt dir Klarheit.

Übrigens zählt eine Auflistung hunderter Dinge nicht. Das wäre, wie wenn du von hundert Joghurts eines aussuchen müsstest. Dein System würde überladen! Statt eines auszuwählen, verharrst du in Schockstarre.

Zwei wichtige Punkte vorweg: Erstens: Denke nicht in Details, sondern erst mal nur grob. Überlege dir, wie der Tag strukturiert sein soll respektive was du alles gerne wann machen möchtest. Zweitens: Träume.

Als ich diese Übung vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal gemacht hatte, war ich ernüchtert. Ich dachte: Oha, das fühlt sich zwar alles schön und gut an, aber … aber … gefühlt hinter jedem Satz kam ein aber.

Das machte aber nichts, merkte ich rasch. Das Ziel ist nicht zu schauen, was heute oder morgen realistisch ist, sondern was meine Wünsche sind, damit ich weiß, wohin ich mich bewegen muss.

Es ist gar nicht so schwer. Ein paar Beispiele:

  • Um 06:00 morgens draußen auf der Terrasse mit einer Tasse Tee meditieren.
  • Nach dem Mittagessen dreißig Minuten spazieren.
  • Einen Roman lesen, nachdem die Kinder im Bett sind.
  • Das leckerste und gesündeste Mittagessen zu mir nehmen (im Restaurant oder zu Hause?).
  • Jeden Nachmittag draußen etwas mit meinen Kindern unternehmen, wo wir lachen und Spaß haben.
  • Morgens/vormittags allein und ungestört in einem Einzelbüro/Atelier arbeiten.
  • Jeden Tag auf dem Fahrrad durch den Wald fahren.
  • Acht Stunden malen.
  • Jeden Abend tiefgehende Gespräche mit meinem Partner führen, während wir uns massieren?

Ihr versteht, worauf ich hinaus möchte.

Wichtig ist, das Pferd von hinten aufzuzäumen, wie man so schön sagt. Und dann herausfinden, wie wir es bewerkstelligen können.

Nicht “Ich MUSS erst noch dies und jenes.”

Sondern “Ich MÖCHTE dies und jenes.”

Nicht “Ich MUSS noch Wäsche, Einkauf usw. erledigen.”

Sondern “Ich MÖCHTE jeden Abend mindestens dreißig Minuten in einem Roman lesen.”

Hören wir auf mit dem Opferseinkult. Mit dem Hinaus-schieben. Mit den Ausreden. Es gibt schon genug davon. Und ja, teilweise sind sie sogar berechtigt. Das sehe ich ein. Schließlich leiden wir ja mehr oder weniger alle, und bilden uns das ja nicht alles ein. Dennoch: Ich suche lieber die Lösung, statt ewig rumzujammern.

Nun, was mich anbelangt, sieht es so aus. Je mehr Zeit vergeht, desto eher komme ich meinem Traum-Tag näher. Es gibt zwar noch ein paar Hürden, und Kinder, Finanzen sowie tausend anderer Dinge machen es einem nicht leicht, aber im Großen und Ganzen bin ich schon recht zufrieden.

Bin ich glücklicher seit ich an meinem Traum-Tag arbeite? Ja.

Handelt es sich um Zufall? Nein.

Es geht darum, wie ernst du die eingangs gestellte Frage nimmst. Also: Was würdest du machen, wenn du ab sofort 24 Stunden machen könntest, was du willst?

Klarheit geht über alles.

Sam
Samuel Lei Vater von zwei Kindern, ADHS spät diagnostiziert.
Ich gehe denselben Weg.

P.S. Willst du wissen, wo du gerade stehst? Der Selbst-Check: 5 Minuten, Ergebnis sofort, ohne E-Mail.

Was du mitnimmst.

01

„Weißt du überhaupt, was du im Leben willst?"

02

„Irgendwo müssen wir anfangen."

03

„Es geht nur darum, was DU möchtest, wenn du alles wahr werden lassen könntest?"

Zum Start: „Sieben Morgen"

Sieben Morgen. Jeden Morgen ein Brief. Jeden Tag eine Sache, die du umsetzen kannst.

Ich habe aus über 90 Briefen die sieben ausgewählt, die bei Eltern mit ADHS am meisten bewegt haben. Du bekommst sie an sieben Morgen hintereinander, kurz genug für einen Kaffee. Danach schreibe ich dir einmal pro Woche.

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